»Wie sieht die Zukunft der Pflege aus?«

Bürgerdialog der CDU Löhne und CDA im Kreis Herford

»Wie sieht die Zukunft der Pflege aus?« Um diese Frage ist es am Montag bei einem Bürgerdialog der CDU Löhne im Saal der Musikschule gegangen. Mitveranstalter war die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA). Obwohl die Initiatoren nur eine Handvoll Teilnehmer zu der Veranstaltung begrüßen konnten, tat dies der Diskussionsfreude der Podiumsgäste keinen Abbruch.

Mit einem launigen Impulsvortrag führte die CDA-Bezirksvorsitzende Angelika Gemkow in das Thema ein. Für sie gehe es bei der Diskussion über Pflege und Gesundheit um existenzielle Fragen, die sich jeder früher oder später stelle. »Wie will ich morgen leben? Wie will ich gepflegt werden?«, nannte die ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete als Beispiele. Vielen sei nicht bewusst, dass zehn Prozent der Bevölkerung schon heute pflegebedürftig seien. Angesichts des demografischen Wandels gelte die Devise: Tendenz steigend. »Familien sind in diesem Zusammenhang bisher der Pflegedienst der Nation«, sagte Angelika Gemkow. Denn 70 Prozent der Pflegebedürftigen würden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. Auf Dauer sei diese Quote nicht zu halten. Zum einen würden die Menschen immer älter, zum anderen lebten immer mehr Menschen alleine. Deshalb müssten neue Pflegemodelle her. Viele pflegende Angehörige machen sich laut Angelika Gemkow selbst das Leben unnötig schwer. »Warum nehmen 50 Prozent keine professionelle Hilfe in Anspruch?«, fragte die CDA-Kreisvorsitzende. Vor dem Hintergrund des bröckelnden Familienzusammenhangs sei es aber genauso wichtig, vor allem auch junge Menschen für eine Ausbildung in Pflegeberufen zu begeistern. Angelika Gemkow: »Ich würde mir wünschen, dass hier bereits stärker in den Schulen – etwa durch Sozialpraktika – angesetzt wird.« Dass viele Menschen ein falsches Bild von Pflegeeinrichtungen haben, mahnte Dr. Matthias Kramer, Leiter des St. Martins-Stifts in Spenge, an. Klassische stationäre Einrichtungen, wie sie lange Zeit prägend gewesen seien, würden nicht mehr neu ins Leben gerufen. Heutige Pflege- und Wohnmodelle seien heterogener: Es lebten Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen, die die Leistungen, die sie benötigen, gezielt einfordern. Dieser Trend werde sich fortsetzen. »Deshalb sollten wir den Menschen zutrauen, das Thema ›Pflege‹ individuell für sich anzunehmen und zu lösen. Ein Tabuisierung nützt keinem etwas.« Eine Lanze für Pflegeberufe brach Marleen Schönbeck. Die studierte Gesundheits- und Krankenpflegerin wies darauf hin, dass es sich um hochprofessionelle Berufe handele, für die viele Kompetenzen erforderlich seien, über die nicht jeder Mensch verfüge. Trotz einer in der Umsetzung befindlichen Reform zu einer universelleren Ausbildung seien nicht alle Pflegeberufe gleichermaßen anerkannt. Tätigkeiten in der Kranken- und in der Kinderkrankenpflege seien höher angesehen als Tätigkeiten in der Altenpflege. Das schlage sich auch in unterschiedlich hoher Bezahlung nieder. Marleen Schönbeck: »Hier besteht Handlungsbedarf.« Zum Ende der zweistündigen Diskussionsveranstaltung kündigte CDA-Kreisvorsitzender Thomas Beck an, im Hinblick auf die Kommunalwahl 2020 weitere Diskussionen über Pflege und Gesundheit anstoßen zu wollen. Denkanstöße nahm auch Florian Dowe, Vorsitzender der CDU Löhne, mit nach Hause: »Wir werden Angelika Gemkows Kritik aufgreifen und uns dafür einsetzen, dass auf der Internetseite der Stadt Löhne besser auf die vor Ort vorhandenen Beratungsmöglichkeiten rund um das Thema Pflege hingewiesen wird.« Diese Maßnahme sei ohne viel Aufwand zeitnah umsetzbar.

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