CDU-Kreisverband Herford

Wir krabbeln nach oben

Wirtschaftsexperte Prof. Hans-Werner Sinn referiert auf Einladung der MIT

Von Peter Schelberg
Herford (Herforder Kreisblatt). Der Absturz der Wirtschaft kam rasch und heftig - und der Aufstieg wird mühsam. Aber: »Jetzt fassen wir wieder Tritt«, ist Prof. Dr. Dr. Hans-Werner Sinn überzeugt. Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung äußerte sich vor 170 Gästen der CDU-Mittelstandsvereinigung Herford am Dienstagabend vorsichtig optimistisch zur konjunkturellen Entwicklung.
Im Schützenhof wurde der Wissenschaftler vom MIT-Vorsitzenden Hans-Dieter Bäcker begrüßt. Ralf Meistes, Redaktionsleiter des HERFORDER KREISBLATTES, bezeichnete Prof. Sinn in seiner Moderation als meistzitierten deutschen Volkswirt, der über die Arbeit des Ifo-Instituts großen öffentlichen Einfluss ausübe. Für den Referenten sei der Vortrag »ein Heimspiel«, erinnerte Meistes daran, dass Prof. Sinn im Nachbarort Brake geboren wurde. Dort hatte der Ökonom vor der Veranstaltung auch seine Eltern besucht.
 Nach dem Tiefpunkt im Frühjahr 2009 prognostiziert der Internationale Währungsfonds für 2010 ein weltweites Wirtschaftswachstum von 3,9 Prozent: »Wir krabbeln auf allen Vieren über die Geröllfelder wieder nach oben«, beschrieb Prof. Sinn die Lage. Bankenrettungs-, Konjunkturprogramme und massive Staatsverschuldung hätten den Wirtschaftskollaps verhindert. Vor allem in Schwellenländern gehe es rasant aufwärts. Eine Beruhigung sieht er auch im Epizentrum der Krise, den USA. Die Wirtschaft hänge aber am Staatstropf, der nun abgestellt werde.
 Als Kernproblem skizzierte Sinn das amerikanische Geschäftsmodell, auf Pump zu leben. 2008 hätten die USA mehr als 800 Milliarden Dollar von anderen Ländern geliehen, finanziert durch hypothekengesicherte Wertpapiere. Dieser Markt sei um 97 Prozent eingebrochen. Nach Platzen der Blase haben staatlich gelenkte Banken die Immobilienfinanzierung übernommen. Sinn: »Früher nannte man ein solches Land sozialistisch - also sozusagen Volksrepublik USA.«
 Auch in Deutschland werde es dauern, »bis wir wieder oben sind«. Als problematisch wertet Sinn die übermäßige Betonung der Exporte. Von 283 Milliarden Euro Ersparnissen seien 2008 nur 117 investiert worden. Der Rest (166 Mrd.) floss als Nettokapitalexport ins Ausland, half eigene Exporte zu finanzieren. Fazit: »Deutschland investiert nicht mehr zuhause. Besser wäre, im Inland mehr Dynamik zu entfalten.« Beim Bruttoinlandsprodukt betrage die Wachstumsprognose 1,7 Prozent: »Damit sehen wir im europäischen Vergleich sehr gut aus.« Statt fünf Millionen Arbeitslose werden 3,6 Millionen erwartet: »Die Kurzarbeit hat Wunder bewirkt.« Zu Beginn der Veranstaltung hatten Herforder »Hartz IV-Betroffene« am Eingang für soziale Gerechtigkeit demonstriert.
 
Vor dem Vortrag im voll besetzten Saal des Stadtpark-Schützenhofes: Die MIT-Vorstandsmitglieder Alexander und Fritz Elbracht, Dirk-Walter Frommholz (Vizepräsident der IHK Ostwestfalen), CDU-Landtagskandidatin Angela Thiele, Referent Prof. Hans-Werner Sinn, HK-Redaktionsleiter und Moderator Ralf Meistes und MIT-Kreisvorsitzender Hans-Dieter Bäcker (von links).Fotos: Thomas Meyer