Herford (HK). Die stehenden Ovationen zum Schluss ihrer Rede schienen Ursula von der Leyen peinlich zu sein. Aber die Familienministerin (50) hat mit ihrer einstündigen Rede im Stadtpark Schützenhof dafür gesorgt, dass die CDU-Anhänger am liebsten am Donnerstagabend noch weiter Plakate kleben gegangen wären.
Von wegen »Frauen und Gedöns«: von der Leyen warb für ihre Familienpolitik.
»Das war spitze. Wir gehen gut gerüstet in den Kommunal- und in den Bundestagswahlkampf«, jubilierte CDU-Ratsfrau Marlies Echterdiek. Wie es sich für eine Familienministerin in Wahlkampfzeiten gehört, sprach von der Leyen über alle: über die Jugend, über die Mittelalten, über die Alten. Richtig Stimmung in dem mit etwa 300 Zuhörern besetzten Saal kam immer dann auf, wenn sich die Gastrednerin die SPD vorknöpfte.
Gerhard Schröder habe ihr Ministerium, das Familienministerium, zu Zeiten der Rot-Grünen-Regierung noch als »Frauen und Gedöns« bezeichnet. Diese Zeiten seien Gott sei Dank vorbei. Unter Führung der CDU sei das Elterngeld eingeführt worden. Rot-Grün habe zuvor lediglich darüber geredet, spottete die Ministerin.
Von der Leyen erinnerte auch an Widerstand, den sie in den eigenen Reihen zu spüren bekam, als sie das Familienbild der Union modernisiert hat. So hatte der 1. Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Ramsauer aus Bayern, zur Einführung des Elterngeldes erklärt, Männer benötigten kein »Wickelvolontariat«. »Und jetzt raten Sie mal, in welchem Bundesland die meisten jungen Väter für zwei Monate zu Hause bleiben, um auf ihr Kind aufzupassen. In Bayern«, ließ die Ministerin süffisant verlauten. Still wurde es im Saal, als von der Leyen über Kindesmissbrauch und Kinderpornographie im Internet sprach. Sie blieb mit ihren Ausführungen nicht im Vagen, sondern erinnerte unter anderem an die Tötungen des kleinen Kevin aus Bremen und der kleinen Jessica aus Hamburg. Hier hätten nicht nur die Eltern, sondern auch Behörden und die Gesellschaft versagt. »Was wir brauchen, ist eine starke Gemeinschaft, die ein Wächteramt ausübt. Es geht nicht darum, in den Familien herumzuschnüffeln. Aber der Datenschutz muss sich hier dem Kinderschutz unterordnen.« Die Durchsetzung eines entsprechenden Kinderschutzgesetzes sei am Schlingerkurs der SPD gescheitert. Erneut plädierte die Familienministerin für eine Sperrung von Webseiten mit kinderpornographischem Inhalt. In Richtung der älteren Generation sagte sie, dass diese fitte, gebildete Generation sich weiter Einmischen und Einbringen sollte. »Es geht darum, mehr Spuren zu hinterlassen, als nur die Kuhle im Sofa.«
Vor dem Schützenhof hatten sich etwa 50 Mitglieder der Selbsthilfegruppe Zertifikatschaden versammelt. Wie berichtet, händigten sie der Ministerin ein Schreiben aus, in dem sie einige Banken für den Verlust ihres Vermögens durch die Lehman-Pleite verantwortlich machen. »Das Problem ist, dass elementare Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit, auch für Alte und Kinder sorgen, dass diese Werte nicht mehr überall gelebt werden«, sagte die Ministerin. Die Ministerin versprach, das Anliegen der Zertifikatsgeschädigten an Spezialisten weiter zu leiten.