CDU-Kreisverband Herford

Tag der Deutschen Einheit

Lesen Sie hierzu die Berichte aus der Neuen Westfälischen und dem Westfalenblatt
Neue Westfälische
Die Kraft der Geschichte(n)
Rainer Prachtl sprach zur Einheit

 von Hartmut Brandtmann
Herford. "Wir müssen uns gegenseitig unsere Geschichte erzählen,damit dieses Deutschland zusammen wächst", fordert Rainer Prachtl, der frühere Landtagspräsident von Mecklenburg-Vorpommern. Der bekennende Patriot und Katholik war der Festredner am Tag der Deutschen Einheit, und seine Rede war ein rhetorischer Regenbogen: historische Dramatik, Philosophie, Religion, Wirtschaft,Humor. "Wir die Revolution - ihr die Finanzen." So ordnete Prachtl vor rund hundert Zuhörern im Kleinen Saal des Schützenhofs die Leistungen zu. Und dann erzählte er seine Geschichte von den Friedensgebeten undMontagsdemonstrationen. "Wenn wir heute Abend nicht wieder kommen, dann geh "zu Oma und Opa", hatten er und seine Frau an einem dieser dramatischen Oktobertage 1989 zu Sohn Stefan gesagt. Die weiße Chrysantheme, die er einem Volkspolizisten als Friedenszeichen überreicht hatte, trat der Vopo in den Dreck. "Doch der Ruf ,Wir sind das Volk" hallte durch die Nacht wie der Ruf der freien Wildgänse über Mecklenburg-Vorpommern." Prachtls Biographie ist ebenfalls bunt. Er wurde vom Koch zum Wirtschaftler, zum Fachdirektor für Binnenhandel, Ausbildungsleiter der Caritas und CDU-Politiker. "50 Prozent der Wirtschaft ist Psychologie. Also dürfen Schwarzmaler in Deutschland nicht das Sagen haben", sagte er als Diplom-Ökonom.

 Sein Patriotismus wurzelt in seiner Heimat, die selbst den Vergleich mit Bayern aushält: "Die haben denPapst und die Alpen" wir haben die Bundeskanzlerin und einen weiteren Horizont. "Einen philosophischen Horizont zeigte Prachtl ebenfalls auf, als er Hölderlin als Mahnung zitierte: ?Ich kann kein Volk mir denken, dass zerrissener wäre als die Deutschen." Prachtls Gegenentwurf: "Wir brauchen ein Bürgergefühl. Wer glaubt, nur zu einer Gemeinschaft zu gehören, wird intolerant." Und soweit es das Niveau des geforderten Dialogs betrifft, machte der Festredner eine Anleihe beim Apostel Paulus: "Lösche den Geist nicht aus."

 Foto: Stefan Boscher

  
Westfalenblatt
Frei wie die Wildgänse, die übers Land fliegen
CDU im Kreis Herford feiert Tag der Deutschen Einheit

H e r f o r d (wst). Als engagierten Botschafter Mecklenburg- Vorpommerns und begeisterten Befürworter der Deutschen Einheit haben am Freitag die Herforder Christdemokraten Rainer Prachtl kennengelernt, der während der Feierstunde der CDU im Kreis Herford anlässlich des Tages der Deutschen Einheit die Festrede hielt.

 Rund 120 Zuhörer konnte CDUKreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Chris Bollenbach im Stadtpark-Schützenhof in Herford begrüßen, bevor er dem Publikum den Festredner vorstellte. Rainer Prachtl gehörte von 1990 bis 2006 für die CDU dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern an, von 1990 bis 1998 amtierte er als Landtagspräsident. »Freuen wir uns über ein Deutschland, das so frei ist, wie die Wildgänse, die über Mecklenburg-Vorpommern fliegen«, forderte Prachtl eingangs sein Publikum auf. Die Unfreiheit, die in der DDR herrschte, hatte er als bekennender Katholik am eigenen Leibe gespürt. Ihm war auf der Schule das Abitur und später die Ausbildung zum Fernmeldetechniker verwehrt worden. So lernte er Koch und machte das Abitur während des Militärdienstes auf einer Abendschule. Und trotz aller Vorzüge Mecklenburg Vorpommerns, wie einem blühenden Tourismus in einer wunderschönen Landschaft und einer besonders im ökologischen Sektor erfolgreichen Landwirtschaft, bedauerte der CDU-Politiker den Niedergang der christlichen Religion in seiner Heimat. »Seien sie dankbar für die christliche Bevölkerung in Ostwestfalen «, sagte Prachtl. Bekannten sich um 1950 noch knapp 90 Prozent der Menschen in Mecklenburg- Vorpommern zu ihrem christlichen Glauben, so seien es jetzt nur noch 20. »Das geistige Potenzial haben die Kommunisten zerstört.« Jetzt fehlten in den Dörfern die Pfarrer, die dort als Stabilisatoren gegen die Rechtsextremen wirken könnten. Zur Förderung der christlichen Kultur und Bildung habe er nach der Wende den Dreikönigsverein gegründet, der unter anderem regelmäßig Jugendliche nach Israel schicke, damit sie dort die Wurzeln des Christentums kennen lernen. Auch vergebe der Verein jedes Jahr einen mit 10 000 Euro dotierten Sozialpreis, was besonders die SPD in Mecklenburg Vorpommern ärgere, da sie dazu nicht in der Lage sei, wie Prachtl zum Abschluss seines Vortrags schmunzelnd feststellte.

 
Bildunterschrift: Den Tag der Deutschen Einheit feierten im Herforder Stadtpark-Schützenhof mit zahlreichen Gästen (von links) der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Chris Bollenbach, die Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Herford, Bärbel Müller, der Referent und Landtagspräsident a. D. Rainer Prachtl und der heimische CDU-Bundestagskandidat Wolfgang Rußkamp.

 Foto: Stefan Wolff