Ein Blick auf die politische Landkarte zeigt es deutlich: Im einst »Roten Kreis« Herford dominiert nach der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag inzwischen die Farbe Schwarz. Der Wahlkreis 133 (Herford-Minden-Lübbecke II) hat bei den Zweitstimmen nur noch zwei rote Flecken – in Spenge und Rödinghausen hat die SPD weiterhin die Nase vorn.
Im Deutschen Bundestag wird der Wahlkreis wie zuvor mit drei Abgeordneten vertreten sein. Stefan Schwartze (SPD) holte das Direktmandat und zugleich das beste Erststimmenergebnis der SPD in OWL. Über die Landeslisten kommen auch Dr. Tim Ostermann (CDU) und Inge Höger (Die Linke) ins Parlament.
Verlierer ist Frank Schäffler (FDP). Trotz vermeintlich sicheren Listenplatzes verliert der Bünder nach dem Scheitern der Liberalen sein Bundestagsmandat. FDP-Kreisvorsitzender Stephen Paul dankte Schäffler gestern für dessen »übergroßen Einsatz im Wahlkampf«. Nur ein schwacher Trost sei, dass der Abgeordnete mit 3,5 Prozent (2009: 9,6 Prozent) immerhin noch das beste Erststimmenergebnis eines FDP-Kandidaten in der Region verzeichne. Besonders herbe Verluste musste Schäffler in Bad Oeynhausen hinnehmen, wo er nach 10,1 Prozent in 2009 auf jetzt 3,3 Prozent absackte (-6,8 Prozent).
Die größten Differenzen gegenüber 2009 bei den Zweitstimmen gab es auf Wahlkreisebene für die CDU (+6,9 Prozent) und die FDP (-9,3 Prozent). Den höchsten Zuwachs erreichte die CDU mit +7,5 Prozent in Hiddenhausen, die SPD in Bünde (+2,7 Prozent). Grüne (-1,6 Prozent) und »Die Linke« (-2,6 Prozent) hatten in Bünde ihre höchsten Verluste, die Liberalen mit -10,5 Prozent in Löhne. Für viele überraschend hoch war die Ausbeute der Alternative für Deutschland, die aus dem Stand heraus in Bad Oeynhausen auf knapp 4,0 Prozent und kreisweit auf 3,6 Prozent der Zweitstimmen kam. Die Freien Wähler erreichten 0,41 Prozent. Mit 200 Zweitstimmen erzielte die NPD ihr bestes Ergebnis in Löhne (0,94 Prozent). Die rechtsextreme Kleinpartei »Pro Deutschland« kam im Wahlkreis auf 0,21 Prozent, im Verhältnis besonders erfolgreich war sie in Vlotho (0,24 Prozent).
Bei den Erststimmen hatte der Vlothoer Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze im »roten« Rödinghausen mit 46,2 Prozent sein bestes Ergebnis, das schlechteste mit 38,5 Prozent in Herford. CDU-Kandidat Tim Ostermann erzielte mit 43,7 Prozent seinen Spitzenwert in Bad Oeynhausen, kam in Rödinghausen aber nur auf 36,8 Prozent. Die kreisweit niedrigste Wahlbeteiligung erreichte Herford mit 67,8 Prozent (2009: 67,9), die höchste Spenge mit 76,2 Prozent (76,0).
Am schnellsten wurde die Wahl in Rödinghausen ausgezählt, Schlusslicht war Bad Oeynhausen. Dort musste in einem Briefwahlbezirk die Auszählung wiederholt werden: »Dadurch haben wir 60 Minuten verloren«, sagte Jens Krömker (Kreiswahlleiter-Büro).