Bei schönem Wetter empfing Michael Spehr, vom Besucherdienst, die CDU-Frauen auf dem Gründungsgelände des Wittekindshofes. Das Gründungsgelände ist parkähnlich gestaltet. Ein Straßencafe und das Ausbildungsrestaurant am Dorfplatz können von Bewohnern und Gästen gleichermaßen besucht werden.
von links: Michael Spehr (Besucherdienst Wittekindshof), Regi-na Schuller-Risken (Vorsitzende der Frauen Union der CDU des Kreises Herford) und die Frauen der CDU des Kreises Her-ford auf dem Dorfplatz der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in VolmerdingDer Besuch begann mit einem Rundgang durch den neuen Werkstattladen. Hier werden Taschen, Grußkarten, Vogelhäuser, Grills und Gartenmöbel angeboten. Geschirrtücher werden direkt neben der Verkaufsfläche auf großen Handwebstühlen gefertigt. Die Frauen konnten den Weberinnen und Webern beim emsigen Arbeiten über die Schulter schauen. Beschäftigte stellten stolz ihren Arbeitsplatz und ihre Arbeitsbedingungen vor.
„Die anderen Produkte werden in den Wittekindshofer Werkstätten, im Berufsbildungswerk oder im Rahmen von Tagesstrukturierenden Angeboten hergestellt oder stammen aus anderen Werkstätten für behinderte Menschen. Die Tagesstrukturierenden Angebote richten sich an Menschen, die auf Grund der Schwere ihrer Behinderung bzw. wegen ihres Alters nicht oder nicht mehr in den Werkstätten arbeiten können“, berichtete Michael Spehr.
Die Betriebsstätte Sonnenbrede werde bis Ende 2012 komplett umgebaut. 500 Menschen mit Behinderungen und 100 Menschen ohne Behinderung werden in der Werkstatt arbeiten. Neben dem neuen Werkstattladen besichtigten die Frauen die neue Kantine und den neuen Kiosk. Ziel sei es, dass langfristig alle rund 500 Beschäftigten in der Werkstatt Mittagessen können. Die Betriebsstätte Sonnenbrede überzeugt durch ihre Architektur: freundliche Farbgebung und lichtdurchflutet. „Die Attraktivität des Komplexes wird Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen mit und ohne Behinderungen verbessern“, lobte Regina Schuller-Risken.
In der sich anschließenden Diskussion wurde von den Christdemokratinnen die Frage aufgeworfen, was mit den behinderten Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus geschah.
Micheal Spehr erläuterte: „Die Zwangssterilisierung als Mittel der Rassenhygiene wurde im Wittekindshof akzeptiert. Die Ausmerzung wurde abgelehnt. Ab 1934 fanden Zwangssterilisierungen im Krankenhaus Bethanien statt. 1940 trafen Meldebögen vom Reichsinnenministerium zur Erfassung der Heil- und Pflegeanstalten ein. Im gleichen Jahr wurden sechs jüdische Bewohner in eine staatliche Einrichtung in Wunstorf bei Hannover verlegt und schließlich ermordet. 1941 wurde der Schul- und Werkstattbetrieb eingestellt. Im Juni kam eine Ärztekommission aus Berlin und unternahm eine ‚erbbiologische Bestandsaufnahme‘ von allen 1.330 Bewohnern. Im Herbst wurden rund 1.000 Bewohner in westfälische Provinzialanstalten verlegt. Nach Forschungen sind rund 400 Wittekindshofer Bewohnerinnen und Bewohner der ‚NS-Euthanasie‘ zum Opfer gefallen“.
Die Christdemokratinnen waren sich einig, dass sich diese Geschehnisse nie wiederholen dürfen.