Hiddenhausen. Einigkeit macht stark. Mit diesem Pfund könne die Region wuchern beim Kampf um den Tunnel durch den Schweichelner Berg, sagte der Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze (SPD) während der Podiumsdiskussion zum Neubau der B 239. Zu der hatte die Bürgerinitiative „Tunnel durch den Berg“ geladen. Mehr als 100 Bürger kamen.
Wie wichtig Politiker aller Ebenen die Verkehrsprobleme Hiddenhausens nehmen, zeigte sich an der Besetzung des Podiums. Neben Stefan Schwartze waren der Landtagsabgeordnete Christian Dahm (SPD) und Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer gekommen. Den Kreis vertrat Ordnungsdezernent Norbert Burmann. Gekommen war auch der Bundestagskandidat der CDU Dr. Tim Ostermann. Der saß zwar nicht auf dem Podium, bekräftigte aber, dass auch seine Partei den im Gemeinderat und auf Kreisebene gefundenen Konsens weiter unterstützt und für hilfreich empfindet. Schnelle Lösungen versprach keiner der Politiker.
Alle Durchgangsstraßen in Hiddenhausen seien vor allem vom Schwerlastverkehr belastet, sagte Wolfgang Schmidt, einer der Sprecher der Initiative. Wenig Hoffnung hat er, dass der Lückenschluss der A 33 im Westen und der Nordumgehung im Osten Entlastung für Hiddenhausen bringt. Ein Lkw-Fahrverbot würde das Problem nur auf andere Straße und deren Anwohner verlagern. Die B 239 sei als Ersatz für die aufgegebene A 5 Richtung Bremen gedacht. Der Tunnel sei die einzige Lösung. Er sei zwar teurer als die Trasse neben der Bahn, habe aber den Vorteil, dass niemand, auch nicht die Umweltverbände gegen einen Tunnel klagen würden. Klagen mit unabsehbaren Folgen, vor allem für die Kosten eines solchen Projektes.
Die meisten Zuhörer stimmten dem zu. Allein, noch viele Jahre bis zur Verwirklichung des Projektes warten wollen sie nicht. Viele forderten ein Durchfahrtverbot für Schwerlastwagen auf allen Durchfahrtstraßen. Dem machte Kreisordnungsdezernent Norbert Burmann wenig Hoffnung. Die B 239 (Herforder Straße) und die L 545 (Bünder Straße) seien Straßen, die überregionalen Verkehr aufzunehmen hätten und deswegen nur schwer für den Lkw-Verkehr zu sperren seien. Andere Zuhörer forderten den Kreis auf, die Geschwindigkeiten zum Beispiel auf der Eilshauser Straße in Oetinghausen intensiver zu kontrollieren. Sie wollen nicht mehr verstehen, warum Kreis und Polizei rechtliche Bedenken bei solchen Kontrollen haben. Sie wollen wieder ausreichend Ruhe haben.
Schwartze, Dahm, Burmann und Rolfsmeyer erläuterten den Weg, den das Tunnel-Projekt in der nächsten Zeit gehen muss. Den Konsens in der Gemeinde und im Kreis habe man ja, jetzt müsse der Regionalrat überzeugt werden, dann das Land, am Ende das Bundesverkehrsministerium und der Verkehrsausschuss des Bundestages. Überall müsse das Projekt möglichst weit oben auf der Liste stehen, damit es im Bundesverkehrswegeplan als vordringlicher Bedarf eingestellt wird. Allein auf Bundesebene konkurriere der Tunnel mit 700 anderen Ortsumgehungen, sagte Bundestagsabgeordneter Schwartze. Er glaubt, dass der Bundesverkehrswegeplan erst 2016 verabschiedet wird. Frühestens dann werde die B 239 weitergeplant. Wann der Tunnel fertig sein könnte? „Dazu äußere ich mich nicht“, sagte Schwartze. Spätestens 2018 laufe die Gültigkeit der Umweltverträglichkeitsstudie aus. Für das kommende Jahr bekomme das Land nur noch 75 Millionen Euro, sagte der Landtagsabgeordnete Dahm, um Bundesstraßen und Autobahnen instandzuhalten und neu zu bauen.
Die Zuhörer machten diese Aussichten nicht zufriedener. Sie wollen schnelle Maßnahmen. Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer zeigte Verständnis, warnte aber: „In der Verkehrspolitik kann man nicht mit Sieben-Meilenstiefeln vorangehen. Es geht nur in Trippelschritten.“