CDU-Kreisverband Herford

»Ein stiefmütterlich behandelter Tag«

CDU feiert Tag der Deutschen Einheit mit Gastredner Philipp Lengsfeld

Die 26. Feier des CDU-Kreisverbandes Herford anlässlich der Deutschen Einheit stellte für Dr. Philipp Lengsfeld eine Premiere dar. »Sie gehen heute ein Risiko ein, weil dies meine erste Festrede zum 3. Oktober ist«, gab der CDU- Bundestags- abgeordnete am Montag gegenüber seinen Zuhörern im Stadtpark Schützenhof zu.

(v. r.) Dr. Tim Ostermann MdB, Colette Pöppel, Referent Dr. Philipp Lengsfeld, sowie die CDU-Landtagskandidaten Christian Bobka und Klaus Oehler(v. r.) Dr. Tim Ostermann MdB, Colette Pöppel, Referent Dr. Philipp Lengsfeld, sowie die CDU-Landtagskandidaten Christian Bobka und Klaus Oehler
Allerdings sah er in der Einladung des CDU Kreisverbandes eine gewisse Logik. Denn sein erster Besuch im Westen hatte den Ostberliner 1988 nach Ostwestfalen geführt, nämlich nach Bielefeld, wo sich seine Mutter, die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, nach der Ausweisung aus der DDR damals aufhielt. Zu Beginn der Feierstunde hatten die rund 250 Gäste vom CDU- Kreisvorsitzenden Dr. Tim Ostermann erfahren, dass ihr Referent – wie schon seine Mutter – die Konfrontation mit dem SED-Regime nicht gescheut habe. »Nach einer kritischen Wandzeitung und einem offenen Brief wollte die DDR-Bildungsministerin Margot Honecker einen Exempel statuierten und verwies Philipp Lengsfeld und drei weitere Mitschüler von der Schule«, so der heimische CDU-Bundestags- abgeordnete.
Dr. Lengsfeld freute sich, dass die CDU Herford die Deutsche Einheit bereits seit vielen Jahren feiere. »Der 3. Oktober ist ein stiefmütterlich behandelter Feiertag, aber nicht in Herford«, lobte er seine Gastgeber. Da er als Jugendlicher die DDR-Diktatur und den Mauerfall intensiv erlebt habe,
nehme auch für ihn der 3. Oktober eine große Bedeutung ein.
»Aber am 3. Oktober 1990 herrschte eine gedämpfte Stimmung in Berlin. Den Ostdeutschen war klar, dass ungewisse Zeiten folgen würden.«
Und weiter sagte er: »Die Ernsthaftigkeit des 3. Oktober 1990 ist dem Prozess des Zusammenwachsens von Ost- und Westdeutschland und auch der europäischen Einigung besser bekommen.« Auch als Parlamentarier gab der Physiker der Ernsthaftigkeit gegenüber dem Rausch den Vorzug.
»Der Hauptstadtbeschluss am 20. Juni 1991 war nach einer langen Debatte und einer knappen Entscheidung eine Sternstunde der Demokratie.« Kritisch sah er die unbegrenzte Aufnahme von Flüchtlingen an. »Es gab keine harten Debatten und knappe Entscheidungen. Politik, Kirchen, Medien
und Kunst haben nur moralisch argumentiert.« Die harte Debatte aber unterscheide die Demokratie vom autoritären Staat.