CDU-Kreisverband Herford

Kandidat als Vorspeise

Herfords CDU übt sich in einem eher ungewohnten Politik-Ritual

 
Das Weizenbier ist alkoholfrei: Klaus Oehler (3. v. l.) und Tim Ostermann stoßen an. Lars Breder (v. l.), Marlies Echterdiek und Ralph Pohlmann von der Ortsunion Herford-West begrüßten zum politischen Aschermittwoch. Foto: MöllerDas Weizenbier ist alkoholfrei: Klaus Oehler (3. v. l.) und Tim Ostermann stoßen an. Lars Breder (v. l.), Marlies Echterdiek und Ralph Pohlmann von der Ortsunion Herford-West begrüßten zum politischen Aschermittwoch. Foto: Möller

"Klaus Oehler gab es als Vorspeise, mich bekommen Sie zum Dessert", erklärte der Bundesabgeordnete Tim Ostermann beim politischen Aschermittwoch der CDU. Der Hauptgang: Matjes oder Schnitzel mit Bratkartoffeln. Blieb die Frage: Welcher Gang war am nahrhaftesten? 


Mit Karneval hat es der Ostwestfale ja nicht so. Und auch das Abledern gegen die politischen Gegner hat hier meist nicht die Würze wie etwa in Bayern. Das Weizenbier des Bürgermeisterkandidaten der CDU, Klaus Oehler, war an diesem Abend des Ortsvereins Herford-West zunächst alkoholfrei - politisch korrekt.


In Bayern heißt es meist: Feuer frei auf die Sozen. Da musste Tim Ostermann im Gasthaus Jägerkrug zunächst enttäuschen. "Auf die SPD eindreschen darf ich ja gar nicht", begann er seine Rede. "Das sind ja jetzt unsere Freunde." 


Ob man nach der Edathy-Affäre in Berlin wirklich noch so denkt? Immerhin: Über die Grünen dürfe man ja noch schimpfen, beruhigte Ostermann. Auch über die "industriefeindliche Landesregierung" in Düsseldorf. Und natürlich über die Genossen in Herford. Letzteres fiel aber dem Bürgermeisterkandidaten zu. 


"Wir werden in harte Wahlkampfzeiten treten müssen", sagte Klaus Oehler. Er widmete sich seinen Konkurrenten um den Chefsessel in Herfords Verwaltung. Wobei: "Ich schlabber? mal den Herbert Even ein bisschen", sagte Oehler. Dem Grünen gibt er keine Chance. 


Also ging zunächst es um "den Mann aus Bielefeld": Tim Kähler. Dieser habe ja hochfliegende Ankündigungen gemacht, fand Oehler. Aber: "Wir müssen nicht größer denken, sondern erst mal dafür sorgen, dass wir eine gute Führung bekommen."


Unter Bruno Wollbrink habe es in den vergangenen Jahren zu wenig Initiativen und Ideen gegeben. Zu oft wurde "nicht vorausschauend geplant", glaubt Oehler. Es ist der zentrale Punkt seiner Rede. Innenstadt-Entwicklung, Kaufhof-Deal, britische Kasernen: Immer wieder sei die Verwaltung erst spät in die Gänge gekommen. Und auch die Kontakte zur Wirtschaft habe Wollbrink nicht gut genug gepflegt. 


Oehler sei der "optimale Bürgermeisterkandidat", denn er könne "gut mit Menschen", lobte Tim Ostermann hinterher. Mit konkreten politischen Vorschlägen hielt sich Oehler aber wieder zurück. Beim Kasernen-Thema vertrat er die Idee, die Stadt könne die 450 freiwerdenden Wohnung übernehmen. Das wäre für die städtische Immobilientochter WWS "kein so ganz großer Happen". 


Am offiziellen Wahlprogramm wird in der Union noch gefeilt. Die SPD stellt ihr Programm am heutigen Freitag vor.