Geschäftsleute, Immobilienbesitzer und Politiker diskutierten in der Martinsklause über das Projekt
Ist es ein Risiko - vielleicht sogar Wahnsinn - einen neuen Kaufhof zu bauen und dafür auch noch 3,2 Millionen Euro zu zahlen? Oder ist es nach 14 Jahren Leerstand ein längst überfälliger Schritt für die Innenstadt? Zwei Meinungen standen sich am Montagabend in der Martinsklause gegenüber. Mittendrin: Baudezernent Dr. Peter Böhm und CDU-Bürgermeisterkandidat Klaus Oehler. Auf dessen Einladung waren Geschäftsleute, Immobilienbesitzer sowie Parteifreunde und Ratsmitglieder gekommen.
Blick von der Brüderstraße und von der Bowerre
Direkt nach Böhms Kurzvortrag zum derzeitigen Planungs- und Gestaltungsstand ergriffen die Gegner das Wort: Das Projekt sei überdimensioniert, Herford brauche so etwas nicht, das Geld könne sinnvoller ausgegeben werden und insbesondere die geplante Gestaltung zur Brüderstraße sei hässlich, einfallslos und erdrücke die gegenüberliegende Häuserreihe mit dem historischen Remen-sniderhaus.
Der Baudezernent verteidigte die Pläne, ohne sie zu beschönigen: "Ja, das Projekt birgt Risiken, aber es ist richtig, sie einzugehen." Es sei dringend notwendig zu investieren, um wieder Leute in die Stadt zu ziehen, auch Klingenthal begrüße den Schritt. "Wir können doch nicht einfach hinnehmen, dass Bielefeld aufrüstet und Kaufkraft auch bei uns abzieht." Es reiche nicht, nur kosmetisch aktiv zu werden: "Sind wir ehrlich: Nur weil das Pflaster anders aussieht, kommt niemand in die Stadt", sagte Böhm.
Auch er halte den Entwurf an einigen Stellen für überarbeitungswürdig. Dieser müsse nach Vertragsabschluss mit den Investoren und dem Architekten weiter entwickelt werden. Klar müsse aber auch sein, dass die Gestaltungsmöglichkeiten ihre Grenzen haben. "Die Frage ist doch immer: Wann steigt der Investor aus?"
Auch die Stadt wünsche sich, die Fassade an der Brüderstraße architektonisch zu öffnen - vielleicht mit stufigen Giebeln - oder mit kleinen Geschäften oder auch Arztpraxen zu beleben. Doch dort wolle niemand hin. "Geschäfte wollen heute Mindestgrößen als Verkaufsfläche und möglichst ebenerdige, weil sie sonst mehr Personal beschäftigen müssen", erläuterte der Baudezernent. Auf die Frage eines Zuhörers, ob man in Kauf nehme, dass die Brüderstraße tot bleibt, antwortete Böhm: "Ja, es wird keine Belebung stattfinden."
Ein flammendes Plädoyer für den neuen Kaufhof hielt schließlich ein Auswärtiger: Christian Hülsenbeck aus Düsseldorf, dem das Haus Gehrenberg 28 gehört. "Wenn es jetzt nicht klappt, klappt es nie mehr. Dann ist das Projekt tot." Das hätte fatale Folgen für Herford. "Jeder, der von außen kommt, guckt sich zuerst die Innenstadt an." Niemand wolle dann mehr nach Herford, die Häuser würden "an Wert verlieren", warnte er. Die Herforder schimpften immer auf ihre Stadt, dabei habe sie "viel schönes Potenzial mit einer super Infrastruktur". Herford stelle sein Licht unter den Scheffel, ermutigte er die etwa 70 anwesenden Gäste.
Klaus Oehler, der das Projekt ebenfalls befürwortet, bedankte sich: "Schön, dass Sie uns auf die Sprünge helfen, unser Selbstwertgefühl zu stärken."
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