CDU-Kreisverband Herford

Kaufhof: Zweifel und Hoffnung

70 Bürger diskutieren mit CDU-Bürgermeisterkandidat Klaus Oehler

Der Stadtrat soll am 9. Mai dem Vertrag mit dem Investor HLG/Amandla zustimmen und grünes Licht für die Entwicklung des Kaufhof-Areals geben. Gegen diese Pläne regt sich allerdings auch Widerstand, wie eine CDU-Veranstaltung am Montag in der Martinsklause ergab.
Das Bauvorhaben von HLG/Amandla aus der Luft betrachtet. Auf der rechten Seite ist die Brüderstraße gut zu erkennen. Kritiker befürchten, dass durch den Neubau aus der Straße eine dunkle Gasse wird. Immobilienbesitzer und Händler befürworten das Projekt.Das Bauvorhaben von HLG/Amandla aus der Luft betrachtet. Auf der rechten Seite ist die Brüderstraße gut zu erkennen. Kritiker befürchten, dass durch den Neubau aus der Straße eine dunkle Gasse wird. Immobilienbesitzer und Händler befürworten das Projekt.
Gelingt es Herford mit Hilfe des neuen Geschäftszentrums auf dem ehemaligen Kaufhofareal neues Leben in die Innenstadt zu holen? Oder entsteht dort auch mit städtischen Mitteln eine »Kaserne«, die die umliegenden Straßen erstickt und der Innenstadt den Rest gibt? Die Wogen schlugen hoch in der Martinsklause, wo rund 70 Bürger auf Einladung des CDU-Bürgermeisterkandidaten Klaus Oehler mit dem Baudezernenten Dr. Peter Böhm die Pläne zur Umgestaltung des Kaufhofs in ein Geschäfts- und Wohnzentrum diskutierten.

Zu Beginn stellte Dr. Böhm die Pläne des Projektentwicklers HLG/Amandla vor, wie sie der Stadt seit dem November 2013 vorlägen. »Eine Umsetzung eins zu eins ist allerdings unwahrscheinlich. Ich rechne noch mit weiteren Veränderungen«, räumt er ein. Im Erdgeschoss können sich vier Geschäfte niederlassen. Mieter sind die Drogerie Müller und C&A. Außerdem werden Gespräche geführt mit einem weiteren Textilhändler (nicht mit H&M) und mit einem Schuhgeschäft.

Alle vier Geschäfte, so Dr. Böhm, reichten bis in die zweite Etage. Auf dem Dachgeschoss sind entlang der Bowerre und der Klosterstraße Wohnungen geplant, die sich über zwei Etagen erstrecken würden. Zum Plan gehört auch der Kauf zweier Häuser am Gehrenberg durch die Stadt und deren Abriss. Die Eingänge der vier Läden in dem Geschäftszentrum und eventuell noch eines Cafés oder Restaurants lägen an dem neuen Platz. Interesse hat Gerhard Zimpel, der am Gehrenberg sein Fisch Restaurant »Das Meer« betreibt. Sein Geschäft würde mit dem Abriss des Hauses am Gehrenberg 17 verschwinden.

Sollte der Stadtrat auf seiner Sitzung am 9. Mai dem Vertragzustimmen, könnte das neue Geschäftszentrum noch zum Weihnachtsgeschäft 2015 eröffnen.

Auf den Einwand von Hans Koch (ISG Radewig), dass bei einem Ausbleiben der Umsätze die 9000 Quadratmeter Verkaufsfläche, die das Einkaufszentrum besäße, woanders in der Innenstadt geschlossen würden, erwiderte Dr. Böhm, dass es keine Garantie gebe, dass es so weiter ginge.

Das Textilhaus Klingenthal begrüße das Bauprojekt, weil es neues Leben in die Stadt bringe. »Wir müssen investieren, wollen wir keine Schlafstadt werden. Andere Städte wie Bielefeld tun es auch.« Christoph Tscheche vom gleichnamigen Schuhhaus begrüßte es, dass sich nach zehn Jahren Stillstand endlich wieder etwas in der Stadtentwicklung tun würde. »So schnell springt ein Investor nicht ab, der ein echtes Interesse an einem Projekt hat«, entgegnete Marcus Cadura vom gleichnamigen Optikergeschäft. Ihm gehe es um den Aspekt der Stadtplanung und dieser sei bei den bisherigen Plänen noch nicht ausreichend gewürdigt worden.

Gegen zu viel Bedenkenträgerei sprach sich Christian Hülsenbeck aus. Er, der vor den Toren Düsseldorfs wohnt, besitzt ein Haus am Gehrenberg. Er wünscht sich zur Belebung der Innenstadt das Kaufhof-Projekt. Herford verfüge über viele Reize und dürfe sein Licht nicht immer unter den Scheffel stellen, sagte Hülsenbeck.

Sorge bereitete einigen Anwesenden die Zukunft der Brüderstraße, die von der Innenstadt abgeschnitten würde. »Zur Brüderstraße werden die neuen Geschäfte keine Schaufenster oder Eingänge haben. Zurzeit bemüht sich der Architekt noch um eine bessere Lösung für die Brüderstraße«, sagte Dr. Böhm.

Wie auch Hans Koch befürchtete Stadtführer Mathias Polster, dass das Geschäftszentrum die Brüderstraße mit dem Remensniderhaus und dem Engelking-Haus in eine Straßenschlucht verwandeln würde. Gegen Ende der Veranstaltung dankte Klaus Oehler allen für die kontroverse Diskussion. »Ich wünsche mir, dass nach Jahren des Stillstands wieder eine Aufbruchsstimmung in Herford entsteht und dass nicht nur die Auswärtigen erkennen, dass Herford schön ist«, schloss der Bürgermeisterkandidat der Union die Diskussion.